Eine kleine Auswahl erfolgreich vermittelter Kunstwerke
"Stillleben Metall"
In den Stillleben Lovis Corinths zeigt sich seine ganze Liebe zur Malerei und zur Materialität der Dinge, dient diese Gattung doch besonders dazu, unterschiedliche Stofflichkeiten und Qualitäten zu erfassen, zu beschreiben und zu einem Fest für die Augen und die Sinne werden zu lassen. In einem raffinierten Variationsreichtum wählt Corinth hier seine Objekte aus: im Hintergrund die blaue Glasvase mit den pudrig-leichten, vollen Blütenköpfen der sommerlichen Dahlien, davor arrangiert er die metallenen Dinge Kännchen, Dose und Statue. Die feingliedrigen, zarten und dennoch voluminösen Blüten kontrastieren so mit der Schwere, Härte und Massivität der unterschiedlichen Metallobjekte aus Messing, Zinn und Bronze, kraftvoll nimmt sich der Körper der kleinen antikisierenden Statue aus. Allein die nuancenreiche Gestaltung des messingfarbenen Kännchens lohnt eine längere intensive Betrachtung aus der Nähe, von Corinth in Form gegossen in den unterschiedlichsten Nuancen von roten, gelben, weißen, blauen und grünlichen Farbtupfen. Es ergibt sich eine ungemein ausgewogene Farbharmonie in Rosé, Rotbraun und Gold, wieder aufgenommen in dem gelblich erleuchteten Hintergrund, die Blau- und Grautöne von Vase und Metallobjekten runden diesen Zusammenklang ab. Auge und Hand werden gleichermaßen sinnlich herausgefordert, indem Corinth hier die Zartheit der Blüten, die geschmeidig-glatte und glänzende Oberfläche des Metalls und die kristallene Facettierung der Glasvase im Bild zusammenfügt. Das Stillleben, als „nature morte“, eigentlich die Gattung der unbelebten Dinge, gewinnt hier eine bewegte und lebendige Kraft, die die transformierende Fähigkeit der Malerei unterstreicht, betont noch durch Corinths ausdrucksstarke malerische Handschrift, der Berührung der Leinwand durch den Maler. Die Dinge werden in Corinths Darstellung so auf faszinierende Weise nicht nur visuell, sondern darüber hinaus auch haptisch „begreifbar“. Er vereint Natur in Form der Blumen, Kunst in der Bronzestatuette sowie Gebrauchsgegenstände wie Kännchen und Dose, und integriert so alle Bereiche der dem Maler zur Verfügung stehenden Ästhetik. Corinths sinnen- und genussfreudige Malerei erreicht um 1910 ihren Höhepunkt, nachdem er aus München 1901 nach Berlin gekommen war und sich der Berliner Secession um Max Liebermann angeschlossen hatte. Paul Cassirer wird auf sein Talent aufmerksam und widmet ihm sogleich eine Einzelausstellung, ein Jahr später wird er in den Vorstand der Secession gewählt. Einen zusätzlichen Höhepunkt erreicht Corinth im Jahr 1910 mit dem Ankauf einiger seiner Gemälde durch die Hamburger Kunsthalle, begleitet von einer regen internationalen Ausstellungspräsenz bei der Berliner und Münchner Secession, dem Deutschen Künstlerbund in Darmstadt und der Vorgängerausstellung der Biennale von Venedig
Literatur:
Berend-Corinth, Charlotte/Hernad, Béatrice: Lovis Corinth - Die Gemälde, Werkverzeichnis, München 1992, 2. Auflage, Wvz.-Nr. 440 (hier Vermerk: Verbleib unbekannt), S. 121, S. 550 s/w Abb.
Angebot von Carl Nicolai an die Nationalgalerie, Berlin 1930 (SMB Zentralarchiv, Berlin, I. Nationalgalerie, Angebote von Gemälden 1930, ZA-I/NG 932, S. 437ff.).
Stuttgarter Kunstkabinett, 19. Auktion, 19.5.1954, Los 747.
Galerie Abels, Köln, 1956, Nr. 34 (m. Abb.).
Vermittelt von Sascha Tyrra Kunstvermittlung im Jahre 2022