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Kunst des 19. Jahrhunderts und Alte Meister
Raden Saleh (1811 - 1880)

"In letzter Not"

Öl auf Leinwand. 154 x 168,5 cm. Signiert und datiert "Raden Saleh 1842" unten links
Provenienz:Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Auktionsergebnis: 2.000.000 €
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Zu dieser Arbeit von Raden Saleh

Seit 1840 erzeugte Raden Saleh sehr viel Aufmerksamkeit mit seinen Jagdszenen. Ab 1842 konzentrierte er sich mehr und mehr auf Darstellungen, welche die Beziehung zwischen dem angreifenden Löwen, dem fliehenden Pferd und dem überraschten Reiter zum Inhalt haben. Seine Intention ist immer wieder der Sieg des Wilden über den Gezähmten bzw. der Sieg der Natur über die Kultur. Um diese Botschaft zu betonen und den Konflikt zu verdeutlichen, läßt Raden Saleh die Szenerien stets inmitten einer rauhen Umgebung sich zutragen. Es finden sich auf diesen Gemälden Wasserfälle, Wüsten, Gebirge, Dschungel oder ähnliches. Um die Idee dieser Darstellungen zu verwirklichen, beschäftigte Saleh sich zunächst mit dem angreifenden Löwen und dem in Panik geratenem Pferd in Form von Zeichnungen. Als Vorlage könnte ihm dazu das weltberühmte Gemälde von Horace Vernet (Mazeppa 1826) gedient haben. Nachweislich brachte Raden Saleh dem französischen Künstler große Bewunderung entgegen. Vor allem die dynamischen Kompositionen und das Kolorit beeindruckten ihn. Hier wird auch Salehs deutliches Bekenntnis zur Kunst von Horace Vernet (1789-1863) deutlich, welche ganz im Gegensatz zu der eines Eugene Delacroix (1798-1863) stand.

Unser Gemälde malte der Künstler im Jahre 1842. In diesem Jahr schuf er eine ganze Reihe von qualitätvollen Arbeiten. Die Komposition sorgte schon bei den Zeitgenossen Raden Salehs für großes Aufsehen. Gegen Ende des Jahres wurde gar der Dresdner Künstler Heinrich Ferdinand Grünewald (1802-1849) beauftragt, eine Reproduktion des Gemäldes in Form einer Lithographie anzufertigen. Das englische Magazin Payne’s Universum or Pictoral World verteilte 1845 eine Stahlstich-Reproduktion des Gemäldes von Raden Saleh als Gratiszugabe an frühe Abonnenten. Da das Heft ebenso in den Vereinigten Staaten von Amerika vertrieben wurde, ist davon auszugehen, daß Raden Saleh spätestens ab 1845 auch dort Bekanntheit erlangte.
Zudem existiert noch eine frühe Kopie, ausgeführt in Öl auf Kupfer, unseres Gemälde. Das Original-Gemälde wurde seinerzeit von dem Leipziger Sammler Adolf Heinrich Schletter erworben. Am 17. Mai des Jahres 1844 schrieb Raden Saleh nach Den Haag zu J.C. Baud: „In Dresden malte ich Bilder mit javanischen Motiven, vor allem Bullen jagende Javaner. Ein zweites zeigt einen Araber, der auf einem Pferd reitet, welches von einem Löwen attackiert wird. Ich veräußerte diese beiden Gemälde an Herrn Schletter aus Leipzig für 200 Louis d’ore.“
Über das genaue Geburtsdatum von Raden Saleh ist sich die Fachwelt nicht einig. Die herrschende Meinung geht jedoch von Mai 1811 aus, was aus einer eigenhändigen Beschriftung einer Portraitzeichnung, angefertigt von Carl Christian Vogel von Vogelstein, hervorgeht.
Der junge Raden Saleh, ein Künstler von adeliger Abstammung und später als Pionier der modernen indonesischen Malerei gefeiert, erhielt seinen ersten Zeichenunterricht in Java von dem dort tätigen belgischen Maler Antoine Payen (1785-1853). Nachdem Raden Saleh 1829 ein Stipendium von der holländischen Regierung erhielt, brach der junge Saleh nach Den Haag auf, wo er unter dem Portraitisten Cornelis Kruseman (1797-1857) und dem Landschafter Andreas Schelfhout (1787-1870) studierte. Saleh lebte bis 1839 in Holland und finanzierte sich unter anderem durch das Anfertigen von Portraits, Seestücken und Tierzeichnungen. Insgesamt lebte und arbeitete Raden Saleh beinahe zwanzig Jahre in Europa und begründete während dieser Zeit einen hervorragenden Ruf als Portraitist und Tiermaler, was in den zahlreichen Aufträgen aus Holland, Deutschland und Frankreich zum Ausdruck kommt.
Aufgrund einiger Irritationen bzgl. seines Lebenswandels schickte ihn die holländische Regierung im Jahre 1839 auf eine sechsmonatige Bildungsreise durch Europa. Im Zuge dieser Reise ließ er sich schließlich in Dresden nieder. Die vier Jahre, welche Raden Saleh in Dresden verbrachte, bezeichnete der Künstler später als die glücklichsten seines Lebens.
Anders als seine Erfahrungen im konservativen Holland, wo er als ein talentiertes Produkt des Kolonialerbes angesehen wurde, war man in Deutschland sehr fasziniert von dieser doch so gebildeten und zugleich exotischen Persönlichkeit. Saleh verkehrte hier in den gebildetsten künstlerischen und sozialen Kreisen. Er kleidete sich in javanesischen Volkstrachten und erfreute sich an diesen Aufzügen in Gestalt eines orientalischer „Maler-Prinzen“. Während der Maler mit romantischen Bildthemen den vorherrschenden Zeitgeschmack bediente, eilte ihm ein besonderer Ruf in Bezug auf exotische respektive orientalische Jagdszenen voraus. Besonders anerkannt war er jedoch für seine Darstellungen von Kämpfen zwischen Tieren bzw. zwischen Menschen und Tieren. Derartige Werke Salehs gehörten seitens der Sammlerschaft zu den gesuchtesten.
Nach mehr als zwanzig Jahren kehrte Raden Saleh 1851 auf Anraten seines Freundes Horace Vernet (1789-1863) in seine Heimat nach Indonesien zurück, wo er als der erste in Europa ausgebildete indonesische Maler schon bald auf hohe Nachfrage als Portraitist der Oberschicht stieß. Raden Saleh erhielt in dieser Zeit unzählige Aufträge von der javanesischen Aristokratie und erfreute sich an einer äußerst erfolgreichen Karriere als Portrait- und Landschaftsmaler. Er baute ein Schloß am Ufer des Ciliwung in Jakarta und wurde kurze Zeit später dort zum Chefkurator der Kunstsammlung der holländischen Kolonialregierung ernannt. Trotz seines regionalen Erfolges schien Raden Saleh sich jedoch nach der aufregenden europäischen Kulturszene zu sehnen. Daher kehrte er zwischen 1876 und 1878 kurz nach Deutschland zurück, mußte vor Ort jedoch feststellen, daß der Geschmack sich gewandelt hatte und sein Werk weitaus weniger modern schien als noch ein Vierteljahrhundert zuvor. Er kehrte schließlich nach Indonesien zurück und verstarb dort im Jahre 1880.

Vermittelt von Sascha Tyrra Kunstvermittlung im Jahre 2011